Die freundliche Community der "schwarzen Szene" Hamburgs und Umgebung
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 Betreff des Beitrags: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Mo 19. Jul 2010, 20:14 
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Hallöle ihr Lieben,

habe eben durch nen Zufall kurz die Glotze an und knips so hin und her, da sehe ich auf einmal Unheilig während eines Konzerts.
Prima dachte ich, kannst ja mal ein wenig Unheilig quasi "life" sehen. Auf einmal merke ich das das ganze eine "Filmszene" ist, somit das Konzert nur Kulisse und zu allem Überfluss zu GZSZ!

Hat sich der Graf denn jetzt völlig dem Kommerz verschrieben und ist ihm mittlerweile jedes Mittel recht noch bekannter zu werden?

Natürlich gönne ich ihm seinen Erfolg, es sei ihm gegönnt, das auch mehr und mehr "normalos" diese Musik für sich entdecken und er nach vielen Jahren der Arbeit endlich mal auf der "Erfolgswelle" schwimmt, aber das heute war für mich dann doch sowas wie ein Tiefschlag...

Wie seht ihr das?

Liebe Grüße

Pegasus

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Mo 19. Jul 2010, 21:44 
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Tja, da kann man mal sehen, wie wenig Fernsehen ich schaue, den Auftritt bei Big Brother hatte ich schon verpasst und den im Frühstücksfernsehen auch.

Offensichtlich war GZSZ nur die bisherig Krönung des ganzen.

Übrigens hier mal ein Zitat aus einem Inteview von 2006:
"Es gab Angebote, aber die habe ich alle abgelehnt. Definitiv! Auch Angebote, für irgendwelche bekannten Bands Songs zu schreiben - habe ich auch nicht gemacht. Für die schnelle Kohle bin ich mir zu schade. Gerade was „Helden“ angeht, da gab es mehrere Anfragen, aber ich habe einfach „Nö“ gesagt."

Tja Herr Graf, lang lang ists her...

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Di 20. Jul 2010, 13:38 
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Tja, das Thema Ausverkauf und Kommerz von Bands ist in der Szene doch ständig parat. Unheilig ist da nur ein weiteres Beispiel. Aber macht es die Musik schlechter wenn auch andere erkennen dass sie gut ist?

Unheilig war noch nie meine Musik. Aber "Geboren um zu leben" und "An deiner Seite" gefallen mir tatsächlich und ich habe die Lieder im Fernsehen das erste mal gehört :loldev:

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Di 20. Jul 2010, 17:00 
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Ganz ehrlich?

Ich behaupte, dass Unheilig von Anfang an drauf aus waren, möglichst viel Geld zu machen, und exakt immer das taten, um möglichst viel davon einzuschnaufen.

Ich erinnere mich an den Zeitpunkt, als sie anfingen: Das war 2000, mit der Veröffentlichung der Single "Sage ja!".
Diese wurde mit einer für Goth-Neuzugänge beispiellosen Werbekampagne garniert: In den einschlägigen Zeitschriften wurden mitten zwischen den Kontaktanzeigen (!) kleine Werbeinseln geschaltet, in denen die Single beworben wurde. Ganzseitige Anzeigen wurden geschaltet, mit entsprechend plakativen Sprüchen ("ein neuer Stern am Goth-Himmel geht auf" und so ein Kram).

Später dann ihre Weihnachts-CD, natüüürlich - tadaaa - zur Weihnachtszeit veröffentlicht, erneut mit einer Werbekampagne, die sich sonst nur Majorlabels für ihre Zugpferde leisten.

Die Interviews waren dem Zeitgeist entsprechend angepasst, der Graf sagte immer das, was gerade angesagt war. Da sagt man dann eben auch mal, dass man lukrative Angebote ausschlagen würde. Klingt ja gut, verkauft mehr Tonträger.

Dass Unheilig nun überall auftreten, wo die jungen Mädchen, die ja gerade eh im Vampirfieber dank Twilight-Saga sind, die Zielgruppe sind, ist dann nur konsequent. Dieses "geheimnisvolle" Graf-Outfit mit den falschen Kontaktlinsen und dem langen lodernden Ledermantel zahlt sich nun endlich aus, eeendlich geht die Masche auf.

Angesichts dieser konsequenten Eigenvermarktung der Band ist es fast schon verwunderlich, dass sie in der Tat ein paar wirklich grandiose Stücke zustandebrachten. Ausgerechnet die Texte wirken nicht nur aus der Retorte, sondern teilweise erstaunlich schön.

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Di 20. Jul 2010, 19:39 
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Texte: Genau das ist das Stichwort! In der Vergangenheit konnte ich die Songexte und das was er in Interviews und Kommentaren zum besten gab, gut unter einen Hut kriegen.
Es ist in meinen Augen auch nicht so verwerflich, sich in der Szene die man ansprechen will, mit entsprechenden Klischees zu umgeben, das gehört sogar irgendwie dazu, aber was er jetzt treibt, ist in meinen Augen fast schon sowas wie Verrat.

Wenn man sich seine älteren Texte anschaut oder hört, war immer rauszuhören und zu lesen, das er sich scheinbar nicht mit der Masse der Menschheit identifizieren kann, Profitsucht und Heuchelei und diverse andere Dinge die uns (oder zumindest mir) an unserer Gesellschaft missfallen mit geschickten Worten zur Rede gebracht hat. Und nun habe ich das Gefühl, das er die Dinge mit denen er vielen aus der Seele gesprochen hat, einfach mal ganz schnell vergessen will und auf Deubel komm raus Massentauglich sein will. Damit verrät er in meinen Augen die letzten 10 Jahre seiner Entwicklung und auch die Szene, die ihn groß gemacht hat.

Wenn ich lese, das sich der Unheilig Fanclub, der ihn seit seinem ersten Album begleitet hat, vor kurzem aufgelöst hat, bzw. das die Betreiber ihn aufgelöst haben, weil auf der neuen Homepage von Unheilig kein Platz mehr für einen Link zu dem alten Fanclub war (scheinbar wegen der Klientel), dann sind das immer deutliche Zeichen, das der Mensch "seine Seele verkauft" hat und jetzt von allem was ihn sich hat entwickeln lassen nichts mehr wissen möchte.

Wie wir alle wissen, sind solche Höhenflüge nicht, oder selten, von langer Dauer und ich denke er wird es noch bitter bereuen, sich jetzt den Massen so anzubiedern und seine alten Fans so zu sagen links liegen zu lassen.

Natürlich habe ich kein Problem damit, wenn "andere Menschen", als solche aus der schwarzen Szene, seine Musik hören, aber wenn diese Menschen das eben nur deshalb hören, weil es gerade hip ist, kommt natürlich nichts von den Messages beim Publikum an, oder bleibt hängen.

Und wenn ich lese, das er sich jetzt aktuell abgewöhnt hat Kontaktlinsen zu tragen und sich seine Fingernägel schwarz zu lackieren, dann wirkt das auf mich immer mehr wie: Er hat sich verkauft!

Ich bin eigentlich kein Mensch, der sich "große Idole" sucht, aber ich fand seine Stücke bis dato immer passen zu dem wie er gelebt hat, das das nun in so einem Ausverkauf endet, damit hätte ich nie gerechnet.

Ich bin einach nur sehr enttäuscht, weil mir das sagt, das mein seine teilweise echt anrührenden Stücke nicht mehr ernst nehmen kann.

Wie heißt es so schön: Worte sind nur Schall und Rauch

Noch ein passendes Filmzitat dazu: Was man im Inneren ist, zählt nicht. Das was wir tun, zeigt wer wir sind.

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Di 20. Jul 2010, 20:15 
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Die Bedeutung sehe ICH in Texten, besser gesagt, ich sehe MEINE Bedeutung darin. Wenn ein Text mich anspricht, dann tut er das so oder so. Egal, wer diese Musik sonst noch hört, und egal, was der Musiker in Interviews so von sich gibt. Solange ich persönlich etwas damit anfangen kann, ist das so.

Das mit seinem alten Fanclub hat natürlich einen bitteren Beigeschmack. Aber man weiß nicht, was da vorgefallen ist, von daher bin ich immer vorsichtig, jemand zu verurteilen.

Ganz ehrlich gesagt ist mir das bei einem Musiker auch egal. Das ist ein Mensch, den ich nicht persönlich kenne, von daher berührt es mich nicht. Das tun meine Freunde und meine Familie. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Mi 21. Jul 2010, 21:04 
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Ich sehe es auch im Punkt "er hat sich verkauft" anders: In meinen Augen hatte er nie wirklich eine "schwarze Seele", sondern tat das, was sich halt am besten verkaufte! In die Goth-Szene kommt man mit entsprechendem Klischeegebaren sehr schnell sehr weit, das ist für jemanden der weiß, worin diese Klischess bestehen, dann ein Kinderspiel.

Dann wird eben der Name "Der Graf" getragen, werden die Fingernägel schwarz lackiert, wird ein langer Ledermantel getragen und böse geguckt. Kommt ja gut an bei der Zielgruppe und verkauft sich auch ganz gut.

Woran ich das festmache? Genau daran, was ich schon beschrieb: Es wurde auf sehr mainstreamige Art und Weise bereits zu Beginn diese Band beworben, wurde ein Titel ausgewählt der sich bestens vermarkten ließ ("Sage ja!" ist wunderbar für anschließende Textwerbejingles wie "sage Ja zur Dunkelheit" und so ein Kram).

Hätten die Texte nicht so zielsicher ins Schwarze getroffen, hätte es "Der Graf" sicher um einiges schwieriger gehabt, das gebe ich zu. Die sind wirklich gut. Auch heute noch.

Tja, und was macht er jetzt?
Dasselbe!
Nur, dass er sich einer anderen Zielgruppe zuwendet, mit der sich mehr Geld verdienen lässt.
Da Goth gerade einigermaßen in ist, lag die Idee, sich dort einzumogeln, nicht allzu fern. Man kann ja immer noch so ein bisschen böse sein, aber bitte bloß nicht zu böse. Also lässt man halt die schwarz lackierten Fingernägel weg, die falschen Kontaktlinsen ebenso und guckt nicht mehr ganz so böse.
Tadaaaaa - schon wird mehr verkauft :happy:

Klingt jetzt reinlich zynisch, ist aber nur zum Teil so gemeint: Was ich sagen möchte ist, dass man die Band mögen kann wegen der Texte und vielleicht auch ihrer Musik wegen. Was Ersteres angeht, haben Unheilig in meinen Augen auch alles Recht dazu, denn wie erwähnt finde ich diese auch wirklich sehr gut.
Allerdings bezweifle ich ernsthaft, dass es so etwas wie eine "schwarze Seele", eine echte Identifizierung der "schwarzen Szene", beim Grafen jemals wirklich gegeben hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Do 22. Jul 2010, 06:35 
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Getreu dem Motto 'Hinterher gibt es immer einen, der es vorher wusste' äußere ich mich mal nicht zu Unheilig.

messie hat geschrieben:
Allerdings bezweifle ich ernsthaft, dass es so etwas wie eine "schwarze Seele", eine echte Identifizierung der "schwarzen Szene", beim Grafen jemals wirklich gegeben hat.

DAS bezweifle ich bei vielen 'Szenegrößen'.
Was beispielsweise Faderhead jetzt mit der schwarzen Szene verbinden soll werde ich nie verstehen.
Ist wohl so ein Lokalphänomen, der Typ.
Honey von Welle:E lässt keine Gelegenheit aus, sich negativ-spöttisch über die Gruppierung zu äußern, die einen Großteil seiner Platten ersteht. Übrigens gibt es nen 'Welle:Erdball Hörerclub'.
Andy LaPlegua, dem es nach eigenen Aussagen immer darum ging das Publikum zum Tanzen zu bringen, tritt bei Festivals schlimmer geschminkt auf als seinerzeit Gene Simmons mit Kiss. Kennt ihr eigentlich die Combichrist Army?
Das Ganze könnte ich jetzt sicherlich auf Lacrimosa, Blutengel, ASP, Agonoize, Front 242, Skinny Puppy, Samsas Traum oder sonst wen ausweiten.

Doch wie es halt viel einfacher ist, über vereinzelte Politiker zu meckern als sich mal das gesamte System anzuschauen, so ist es hier viel einfacher einen 'Abtrünnigen' zu verurteilen ohne sich bewusst zu machen, dass das gesamte Musikbusiness so aufgebaut ist.

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Raphaels Liebe ist die Liebe des Herrn, und Seine Liebe kennt keine Grenzen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: So 25. Jul 2010, 11:57 
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@ Lucas de Vil

Das ist wahrscheinlich auch der Grund warum ich so wenig von dem höre, was das Musikbusiness so auf den Markt schmeißt ;-)

Vielleicht war es ein wenig naiv zu glauben, das sich unter den Leuten die Musik für "unsere Szene" machen immer noch ein Paar "Überzeugungstäter" befinden, aber so lange die Personen die die Musik machen, mir durch Ihre Aussagen in Interviews und anderen Kommentaren suggerieren, das sie zu dem stehen, was sie singen und in Musik kleiden, bewahre ich mir den glauben das dem auch so ist.

Wenn allerdings jemand 10 Jahre lang genau das propagiert (so habe ich es zumindest empfunden) und sich nun dieser Gesellschaft mit ihren Schattenseiten für den schnöden Mammon ergibt, dann ist das für mich ein Armutszeugnis.

Und natürlich behaupte ich nicht das "der Graf" der einzige ist, der so handelt, aber bis dato hatte ich das Gefühl, das Musiker, die ich als meine "Lieblingsbands" oder "Lieblingssänger" empfinde, sich noch nie so offensichtlich dem Konsum ergeben haben...

Ich meine mich zu erinnern, das Herr Eldritch nach einem Konzert auf dem Mera Luna, auf dem er ohne Haare erschienen ist, als Abschluss zu Kommentar gegeben hat, wie überhaupt jamand darauf käme das Sisters of Mercy die (Mit)Begründer des Gothic Rock wären. Da hat in meinen Augen auch nur gefehlt: Gothic Rock? Was ist das?
Schwarze Szene? Noch nie gehört...

Ja, auch bei den "guten alten Vorreitern" gab es schon ein Paar interessante Auswüchse...

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: So 25. Jul 2010, 13:26 
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Pegasus hat geschrieben:
Ich meine mich zu erinnern, das Herr Eldritch nach einem Konzert auf dem Mera Luna, auf dem er ohne Haare erschienen ist, als Abschluss zu Kommentar gegeben hat, wie überhaupt jamand darauf käme das Sisters of Mercy die (Mit)Begründer des Gothic Rock wären. Da hat in meinen Augen auch nur gefehlt: Gothic Rock? Was ist das?
Schwarze Szene? Noch nie gehört...

Ja, auch bei den "guten alten Vorreitern" gab es schon ein Paar interessante Auswüchse...


Was für Auswüchse?
Damals gab es dieses Wort/musikalische Schublade "Gothic Rock" nicht. Also stimmt doch seine Aussage.
Also Anfang der 80er ;).

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Der Mensch braucht 2 Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen. "E. Hemingway"
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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: So 25. Jul 2010, 16:40 
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Beim "Grafen" hatte ich noch nie ein Interview gelesen, das den Atem "echtes" Gothentums geatmet hätte. Gut, ich sah damals auch genauer hin, weil mich diese massive Werbekampagne gleich zu Anfang dermaßen irritierte, dass ich doppelt gespannt war, wie der Bursche denn so drauf ist.
Als dann nur die Klischeekiste ausgepackt wurde und NICHTS dazu, wie er denn vorher drauf gewesen wäre, rein gar nichts irgendwelcher Klischeesprüche, bestätigte meinen Verdacht, dass es ihm primär ums Geldverdienen geht und er nur das sagt, was seine Meute gerne hören möchte.

Wem ich Goth beispielsweise wirklich abnehme, sind beispielsweise Clan of Xymox!
Nein, nicht weil sie immer "passend" auf Konzerten gekleidet sind.
Sondern weil der Mann, egal in welchem Interview, immer kluge Statements abgab, auch immer ordentlich reflektierte und sein Lebenslauf nun alles andere als aus der Retorte war. Wenn man seine Interviews liest merkt man, er liebt die Musik die er macht, er liebt es, sich in dieser Szene zu befinden, und ihn stört es auch nicht, wenn seine Musik heute anders als früher klingt, "das ist eben der Lauf der Zeit. Ich verändere mich, wir verändern uns, das ist dann doch ganz normal, dass sich unsere Musik auch ändert". (Sinngemäß aus einem Interview aus dem Orkus) Er richtet sich nach sich selbst und nicht danach, welche Zielgruppe die Lukrativste ist. Er redet immer von dem großen Glück, dass ihre Musik so vielen gefallen würde, denn das wäre nicht selbstverständlich, schließlich wäre sie nicht immer sehr zugänglich.

Dem nehme ich ab, dass er das lebt, was er macht, und es keine Fassade ist!

Gleichwohl Herr Eldritch:
Der Mann mag einen ordentlichen Schaden haben :lach: , aber in meinen Augen war auch er immer authentisch.
Als er jung war, zog er sein Ding eben durch. Und, ja, auch wenn er sich selbst darüber vermutlich nie große Gedanken gemacht hat, das war halt verdammt Goth. Tiefe, sonore Stimme, Gitarren, die sich im Nichts verloren, saugeile Videos, Konzerte die im Nebel verschwanden und entsprechend mythisch wirkten ... es traf einen Zeitgeist und machte ihn (vorübergehend) reich.
Eldritch biederte sich höchstens mal mit der Ofra Haza-Version von "Temple of Love" der Masse an: Es wird allerorten bis heute gemunkelt, dass er einfach nur mal wieder ein bisschen viel Kohle brauchte, und so "verkaufte" er sich für exakt eine Single - und danach nie wieder.
Interessant ist, dass ihm diese Goth-Szene gehörig auf den Sack geht mittlerweile und er schon seit Jahren (Jahrzehnten?) alles dafür tut, dieses sein Goth-Image endgültig zu begraben.
Erstaunlich eigentlich, dass er bis heute nicht gänzlich geschafft hat. Tja, Sisters-Fans sind halt leidensfähig :lach:

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: So 25. Jul 2010, 21:35 
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Außerdem geistern die Sisters komischerweise immer wieder über Goth-Festivals wie z.B. das diesjährige M'Era Luna.

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Mo 26. Jul 2010, 13:02 
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Eisbär hat geschrieben:
Außerdem geistern die Sisters komischerweise immer wieder über Goth-Festivals wie z.B. das diesjährige M'Era Luna.


Na, ob das M'era Luna wirklich ein reines Goth-Festival ist ... ich habe Zweifel.
Oder sind die Editors, In Extremo und Placebo wirklich GOTH? Ein paar kleinere Ausflüge in Nachbarbereiche hatte das M'era sich ja eh immer geleistet.
Ob die Sisters aufm WGT auftreten würden, steht nämlich auf einem ganz anderen Blatt. ;)

Achja, ontopic: Unheilig treten auf dem M'era Luna Festival ja auch wieder auf. Das nimmt er dann halt auch noch mal mit ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Unheilig, was haltet ihr von der Entwicklung?
BeitragVerfasst: Mo 26. Jul 2010, 20:05 
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messie hat geschrieben:
Achja, ontopic: Unheilig treten auf dem M'era Luna Festival ja auch wieder auf. Das nimmt er dann halt auch noch mal mit ...

Genau wie Eldritch...

Ich seh das auch so wie Eisbär. Dafür, daß Eldritch nichts (mehr) mit der Gothic-Scene am Hut haben will, tritt er erstaunlicherweise immer noch unter dem Namen auf, der ihn zu einer "Szene-Ikone" gemacht hat. Und er steuert sehr auffällig dagegen (Hawaii-Hemden, pinke Brille).

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