Beim "Grafen" hatte ich noch nie ein Interview gelesen, das den Atem "echtes" Gothentums geatmet hätte. Gut, ich sah damals auch genauer hin, weil mich diese massive Werbekampagne gleich zu Anfang dermaßen irritierte, dass ich doppelt gespannt war, wie der Bursche denn so drauf ist.
Als dann nur die Klischeekiste ausgepackt wurde und NICHTS dazu, wie er denn vorher drauf gewesen wäre, rein gar nichts irgendwelcher Klischeesprüche, bestätigte meinen Verdacht, dass es ihm primär ums Geldverdienen geht und er nur das sagt, was seine Meute gerne hören möchte.
Wem ich Goth beispielsweise wirklich abnehme, sind beispielsweise Clan of Xymox!
Nein, nicht weil sie immer "passend" auf Konzerten gekleidet sind.
Sondern weil der Mann, egal in welchem Interview, immer kluge Statements abgab, auch immer ordentlich reflektierte und sein Lebenslauf nun alles andere als aus der Retorte war. Wenn man seine Interviews liest merkt man, er liebt die Musik die er macht, er liebt es, sich in dieser Szene zu befinden, und ihn stört es auch nicht, wenn seine Musik heute anders als früher klingt, "das ist eben der Lauf der Zeit. Ich verändere mich, wir verändern uns, das ist dann doch ganz normal, dass sich unsere Musik auch ändert". (Sinngemäß aus einem Interview aus dem Orkus) Er richtet sich nach sich selbst und nicht danach, welche Zielgruppe die Lukrativste ist. Er redet immer von dem großen Glück, dass ihre Musik so vielen gefallen würde, denn das wäre nicht selbstverständlich, schließlich wäre sie nicht immer sehr zugänglich.
Dem nehme ich ab, dass er das lebt, was er macht, und es keine Fassade ist!
Gleichwohl Herr Eldritch:
Der Mann mag einen ordentlichen Schaden haben

, aber in meinen Augen war auch er immer authentisch.
Als er jung war, zog er sein Ding eben durch. Und, ja, auch wenn er sich selbst darüber vermutlich nie große Gedanken gemacht hat, das
war halt verdammt Goth. Tiefe, sonore Stimme, Gitarren, die sich im Nichts verloren, saugeile Videos, Konzerte die im Nebel verschwanden und entsprechend mythisch wirkten ... es traf einen Zeitgeist und machte ihn (vorübergehend) reich.
Eldritch biederte sich höchstens mal mit der Ofra Haza-Version von "Temple of Love" der Masse an: Es wird allerorten bis heute gemunkelt, dass er einfach nur mal wieder ein bisschen viel Kohle brauchte, und so "verkaufte" er sich für exakt eine Single - und danach nie wieder.
Interessant ist, dass ihm diese Goth-Szene gehörig auf den Sack geht mittlerweile und er schon seit Jahren (Jahrzehnten?) alles dafür tut, dieses sein Goth-Image endgültig zu begraben.
Erstaunlich eigentlich, dass er bis heute nicht gänzlich geschafft hat. Tja, Sisters-Fans sind halt leidensfähig
