Die freundliche Community der "schwarzen Szene" Hamburgs und Umgebung
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 Betreff des Beitrags: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 01:14 
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Diese Frage stellte sich mir die letzten Tage nach einer etwas seltsam laufenden Diskussion in einem unbedeutendem anderen Forum Hamburgs :biggrin:

Die Frage besteht aus zwei Teilen:
Es gab ja irgendwann mal einen Grund, in diesen Kreisen (um den Begriff "Szene" nicht überzustrapazieren) zu verkehren. Man lernte sie kennen und wurde irgendwie, selbst als "Ich-bin-kein-Goth"-Goth, Teil dieser Subkultur.
Wie das aber so mit Menschen ist, sie verändern sich. Sowohl das Individuum als auch die Gruppe. Welche Änderungen habt Ihr an der Subkultur "Gothic" wahrgenommen. Habt Ihr die selben Änderungen an Euch festgestellt? Wenn nicht, welche dann? Paßt es trotzdem noch? Wenn nicht, warum seid Ihr (trotzdem) noch dabei?





Immer wieder gerne wird die Musik als Grund herausgestellt. Nun, die Musik war in meinem Fall immer nur ein sekundärer Grund.
Mir ging es damals, als ich diese Subkultur kennenlernte, so, daß mich weniger die Musik ansprach (von der ich sowieso zu wenig kannte), als viel mehr der Umgang der Leute untereinander und miteinander. Mir gefielen auch die Prioritäten, die gesetzt wurden. Man ging höflich, nett, zuvorkommend und vor allem rücksichtsvoll miteinander um. Wenn es mal einen Rempler in dem Gedränge einer Veranstaltung gab, wurde sich entschuldigt, im Gegensatz zu anderen meiner Altersklasse war es nicht üblich, sich bis an die Grenze der Besinnungslosighkeit mit Bier zuzuschütten, im Gegenteil, üblich war etwas, was ich heute noch gerne als "zivilisierten Umgang mit Alkohol" bezeichne. Vielleicht hätte ein "erwachsener Umgang" als Bezeichnung schon gereicht, aber im wesentlichen ging es darum, daß Alkohol Bestandtteil von Genußmitteln war und nicht nicht Mittel zum Zwecke seiner Wirkung. Tresenkräfte freuten sich auf schwarze Abende, waren doch diese dunkelen Gestalten tatsächlich Gäste, die ihre Bestellung mit dem Wörtchen "bitte" versehen aufgaben und sich beim Erhalt bedankten.
Es war nicht der am angesehensten, der am coolsten war, im Gegenteil: Gefühle zeigen wurde hoch geschätzt, der den dicksten Schlitten fuhr oder der die größte Klappe hatte, daß alles wurde als primitiv angesehen. Ansehen, sofern man überhaupt hinausstechen konnte, wenn man es denn wollte, erwarb man dadurch, daß man sich positive für andere einbrachte.
Die Musik lernte ich erst kennen und schätzen, als ich schon so halb reingerutscht war und da gab es natürlich Dinge, die zu dem paßten, was ich mochte und welche, die gar nicht paßten. Da ich eher aus dem rockigen Breich kam, werde ich wahrscheinlich in 20 Jahren noch nicht mit Weiberelectro warm werden :biggrin: Zu guterletzt muß ich dann wohl noch gestehen, daß mir die Klamotten extrem gut gefielen :cool:



Jetzt, so ca. 12 Jahre später, bemerke ich von den Dingen, die mich in die Szene zogen, immer weniger. Diejenigen, die sich tatsächlich noch für Dinge wie Emotionen zulassen und zeigen einsetzen, werden als Emos bezeichnet und verachtet, man bekommt auf Partys häufiger Rempler ab, Partys dienen nicht mehr dem Treffen der Gruppe, sondern sind nur noch reine Spaßveranstaltungen (ok, daß könnte auch dem Wechsel von Klein- zu Großstadt geschuldet sein), es wird gepöbelt, sich beschimpft, wer Rücksicht nimmt, ist selber schuld und das was die Szene ausmacht, ist die Musik.
Jahaa... die Musik. Die Musik war zwar schon vor 15 Jahren (oder länger) so heterogen, daß sie aus dutzenden Stilen bestand, aber die macht das aus. Und die Kleidung. Und das man anders ist. Es ist cool, schwarz zu sein und nicht wie die Masse. Dabei ist man wie die Masse, nur besser angezogen.

Warum ich heute, als 32jähriger noch in dieser eigentlichen (eheamligen?) Jugendbewegung unterwegs bin? Weil mir die Ideale und Prioritäten von damals immer noch wichtig sind. Und weil es noch genug andere "alte Säcke" zu geben scheint, denen das auch wichtig ist. Ein Miteinander statt einer Ellbogengesellschaft. Ob man da nun lieber elektronische Musik hört und Lackklamotten dazu trägt oder in zerissenen Netzstrumpfhosen zu The Cure über die Tanzfläche hoppelt, ist völlig wurscht, weil individueller Geschmack. Und Individualität wurde mal geachtet in der Gruppe.
Außerdem bin ich immer noch da unterwegs, weil erstens die Hoffnung nicht stirbt, daß die Ideale die Modeerscheinung überleben, also die Spaßgrufties wieder verschwinden und diejenigen, für die die Sache einen Inhalt hat, bleiben (wenn sie nicht vorher völlig resignieren).
Ich bleibe auch noch dabei, weil ich zu faul bin, mir eine neue Szene mit Idealen zu suchen, die meinen nahe (oder zumindest näher) stehen, nicht zu letzt, weil 90% (oder mehr) meines Freundeskreises in dieser Szene unterwegs sind und ich die nicht dafür aufgeben werde. Die haben nämlich auch noch ähnliche Ideale und Prioritäten.


So... das hörte sich jetzt alles an nach früher war alles besser. Sollte gar nicht so werden. Es gibt auch heute positives. Aber meine Stimmung beim Schreiben war nun mal so, wie es jetzt oben steht, vielleicht erweiter ich das ein anderes mal um die heutigen positiven Aspekte.
Aber erstmal seid Ihr dran! ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 07:28 
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Diese ach so tolle, hochgelobte Szene von "früher" hab ich nicht kennengelernt. Damals waren die "alteingesessenen" arrogant gegenüber Szeneneulingen wie mir. Es war eigentlich wie heute, nur ohne Internetforen. Damals hieß man nicht "Noob", sondern "Pseudo", wurde aber genauso wenig ernstgenommen wie heute. Ich bin nun seit ca. 17 Jahren Pseudo. Irgendwelche "Szenen" bedeuten mir gar nichts. Was mir was bedeutet, sind Menschen, vor allem meine Freunde. Viele von ihnen bewegen sich auch in schwarzen Kreisen. Das heißt, sie gehen auf schwarze Parties und hören schwarze Musik. Viele bewegen sich aber auch in anderen Kreisen. Es kommt drauf an, ob ich mit Menschen etwas anfangen kann. Und das kann ich mit vielen, die sich als Teil der Szene ansehen, überhaupt nicht.

Ich sehe mich nicht als Teil einer Szene. Tagsüber wäre ich dann ja Teil der Firma XY. Und wo bleibe dann ich, wenn ich den ganzen Tag nur Teil von irgendwas bin? Und: (ab) wann darf man sich denn überhaupt als Teil der Szene ansehen? Ich gehe gern ins HSV-Stadion. Das geht ja als "Teil der Szene" nun gar nicht. Ich hab da aber trotzdem Spaß. Und das Recht, beim Fußball (nur als Beispiel) Spaß zu haben, werde ich mir auch nicht selbst absprechen, nur damit ich ein guter, tiefgründiger Gruftie bin.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 08:46 
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Ich kann Kaffeebohne da nur zustimmen!

Ich fands schon mit 15 ober albern zu sagen "ich BIN aber Gruftie" - bzw. bezog sich das damals bei mir mehr auf ein "Ich BIN Punk" - denn in der Szene bewegte ich mich. Ich war da auch nur "Pseudo", weil ich mir meine Haare nicht verunstaltet habe und Schlaghosen getragen hab - einmal, das war so DAS einschneidenste Erlebnis, weswegen ich so auf Szenezugehörigkeit pfeiffe, wollte mich ein Kumpel von meinem damaligen Freund gerne zusammenschlagen, weil es ihm gegen den Strich ging, dass ich zu ner Harrington Jacke und Springerstiefeln lange Haare und ne Schlag-Jeans trug - ich mein, das war halt MEIN Stil damals, das, worin ich mich wohl gefühlt habe... Das hat mir irgendwie gezeigt, was für intollerante Saftsäcke die ach so tolleranten Leute doch sind und mich überzeugt, dass ich nirgends "dazugehören" muss, wenn ich mich dafür selbst verkaufen müsste (im Sinne von Dinge anziehen, bzw. mich so stilen, wie ich mich net wohl fühle)

Nun bin ich noch nicht so lang im Kontakt mit der hier besprochenen Szene - ich sag mal grob seit 7 Jahren - und kenn auch nur Hamburg, Kiel und Lüneburg. (In Schottland hab ich irgendwie andere Clubs besucht :cool: ) - aber auch in dieser Szene wurde mir und meinem persönlichen Stil mit intolleranz begegnet.
Wo ich mich wohl gefühlt hab, war die Mittelalterszene und in gewissem Maße bei den Metallern. Das ist heute irgendwie auch anders, aber ich vermute, das liegt an folgendem:
Früher bin ich viel auf Partys unterwegsgewesen, weil ich da echt Spaß hatte (und deswegen mach ich das heute noch, nur seltener) und weil man da immer neue und auch alt bekannte Gesichter getroffen hat - dieser Grund hat für mich etwas an Bedeutung verloren. Die Gesichter, die ich gern wieder treffen möchte, treff ich halt privat. Und neue - naja, ich schaffs ja kaum, mich um meine wirklich guten Freunde zu kümmern (unter anderem, weil die alle doch recht weit auseinander wohnen), da brauch ich keine neuen ^^

nochmal kurz zusammengefasst: Mir ist die Szene bums egal ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 16:46 
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Waldelfe hat geschrieben:
Das hat mir irgendwie gezeigt, was für intollerante Saftsäcke die ach so tolleranten Leute doch sind und mich überzeugt, dass ich nirgends "dazugehören" muss, wenn ich mich dafür selbst verkaufen müsste (...)

Sehr schön gesagt, Waldelfe! :ja:

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 19:39 
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Irgendwie schein ich mich missverständlich ausgedrückt zu haben oder wir haben einfach unterschiedliche Definitionen von "in der Szene sein".

Zumindest bei Pale würde ich sofort sagen, sie ist in der Szene, ich treffe sie auf schwarzen Partys, sie ist in (mindestens einem) schwarzen Foren aktiv, sie hört schwarze Musik, trifft sich mit anderen aus dem selben Umfeld, verkauft Eintrittskarten für eine schwarze Party und v...erführt einen schwarz auflegenden DJ :biggrin: Pale, versuch Dich nicht rauszureden! Du bist Bestandteil dieser Szene.

Natürlich ist jeder Mensch mehr als nur z.B. Teil einer Subkultur. Es wäre albern, ihn darauf zu beschränken. Aber er ist es doch auch.

Aber um diese Kleinigkeit, die hier doch höher bewertet wird, als ich erwartet habe, auszuräumen, formuliere ich die Frage um in "Warum bewegt Ihr Euch (noch) in der Szene?"
Ist es nur die Musik? Oder ist da doch mehr dahinter?

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 20:26 
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Ohje, der DJ in meinem Bett reißt mich wohl rein... :wink:

Also, wenn es bei mir mal um die von Dir angesprochenen Dinge geht: ja, dann ist es die Musik. Und die Menschen, die sich in einem ähnlichen Umfeld bewegen und mir nahestehen. :smile:

Ich kann nichts zu den Werten dieser Szene/Subkultur generell sagen, da die einzelnen Menschen dort doch zu verschieden sind. Ähnlich wie beim Fußball: ich gehe gern zum HSV, kann aber nicht nachvollziehen, daß man den Werder-Bus mit Steinen bewirft. Die Menschen, die ich in meinem persönlichen Umfeld haben möchte, suche ich mir daher selbst aus. Von daher ist es eigentlich dann nur ein kleiner Teil einer großen Szene.

Kann man das überhaupt verstehen oder war das wirr? :lars:

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Di 4. Aug 2009, 20:37 
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Kaffeebohne hat geschrieben:
Kann man das überhaupt verstehen oder war das wirr? :lars:
Nein, das war klar verständlich *find*

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Mi 5. Aug 2009, 10:42 
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Hm. "In der Szene sein" kann doch nur mit "entsprechende Zusammenkünfte wie Festivals und Partys besuchen" übersetzt werden. Die meisten hier in diesem Forum sind doch kaum noch auf Partys und die Festivals werden auch nicht mehr besucht.
Wenn man selbst nicht mehr an der Subkultur partizipiert, muss man sich nicht wundern wenn sich dort die Werte ändern. Oder anders gesagt: Wieso sollte der DJ Joy Division spielen, wenn ihr nicht dort seid um dazu zu tanzen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 10:44 
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"Ihr"? ;)

Puhh, das wird jetzt wohl ein Beitrag, den ich nicht so schnell dahinschreibe. Gibt so einiges an Nachdenkearbeit, wie ich das für mich eigentlich alles sehe ...

Zuerst mal, "Szene": Dieses Wort "Szene" setze ich selbst immer in Anführungsstriche, weil ich es eigentlich ganz schrecklich finde. Es hat etwas Ausgrenzendes, Intolerantes, Elitäres, das ich ungerne mittrage. "Wir sind in der Szene und ihr nicht, ihr seid die Stinos / Noobs / Bunten / Proleten". Eine Message, die ich nicht habe.

Dennoch kann ich nicht umhin, auch Teil der Szene zu sein. (Mal mehr, mal weniger, je nachdem was mein Geldbeutel hergibt ;) )
Das lässt sich aber auch kaum vermeiden. Sobald man regelmäßig die "schwarzen" Parties, Konzerte und Festivals besucht, prägt man diese automatisch mit. Schließlich trägt man seinen eigenen Musikgeschmack mit in diese Läden und beeinflusst ein kleines bisschen das, was die DJs auflegen.
Wenn 20 Punker regelmäßig ins Kir gehen würden, würden die DJs dort sicher auf Dauer auch irgendwann eine Strecke einbauen, die diese bedient. ;)

Insofern bist du, Kaffeebohne, ebenfalls Teil der "Szene", weil du sie durch dein aktives Engagement für eine "schwarze" Party diese entscheidend mitprägst. Nicht nur die Party, sondern eben auch die "Szene" selbst. Lässt sich gar nicht verhindern. Merkst du spätestens dann wenn du woanders bist und möglicherweise mal mit "sag mal, du bist doch immer im fundbureau an der Kasse / Garderobe" angesprochen wirst. Du gibst der "Szene" selbst mit ein Gesicht, ohne dir darauf etwas einzubilden. Ist doch schön, wenn es so jemanden auch gibt. :)


Tja, warum bin ich noch in der Szene, also warum besuche ich immer noch regelmäßig die zugehörigen Parties und Konzerte ... ?
Weil es immer noch genug Orte gibt, an denen ich mich wohl fühle.
Es gibt "schwarze" Parties auf denen ich mich früher wohl gefühlt hatte wo ich heute nur noch seehr selten hingehe, und das wohl auch hauptsächlich aus Nostalgiegründen oder weil ich einfach mal ein wenig Escapismus betreiben möchte: Da ist allem voran das Kir zu nennen.
Jene "Szene" die sich dort gebildet hat, ist eine innerhalb derer ich mich eher unwohl fühle. Sie hört andere Musik, hat andere Verhaltensregeln (z.B. fällt dort fast ausnahmslos das ehemalige ungeschriebene Gesetz des Entschuldigens, nachdem man jemanden angerempelt hat, weg), wirkt auf meine Augen nicht mehr als eine etwas schwärzere Kopie der Spaßgesellschaft, die auf die Antwort, ob ihnen die Musik gefalle oder Ähnliches nur noch "Ist doch egal, Hauptsache Spaaaaaß!" ins Mikrofon gröhlt.

Ja. Spaß haben will ich auch. Das ist der Sinn einer Party.
Aber so? Sich dichtsaufen bis man fast rausgetragen wird? Rücksichtslos Ellenbogen auf der Tanzfläche verteilen, damit man für seinen eigenen Spaß genug Platz auf der Tanzfläche hat? Andere anmachen weil sie nicht passend gekleidet sind?
Das ist nicht meine Art von Spaß. Ganz und gar nicht.

Die Uhr kann ich nicht zurückdrehen. Die "schwarze" Szene hat nun eine weitere Jugendbewegung hinzugewonnen (diese "Szene" wird wohl immer zu einem guten Teil Jugendbewegung bleiben ... ), deren Umgangsformen nicht mehr meine sind. Sie ist in meinen alten Augen gewöhnlicher geworden, unterscheidet sich für mich nicht mehr groß von jenen, die man von "Normalo"-Dissen her so kennt.
Natürlich gibt es den Unterschied noch. Aber er verwischt zunehmend.
Sinnbild dafür ist in meinen Augen dann auch die Tendenz der Musik, immer "glattpolierter" zu werden. Eurodance auf Schwarz kommt in Mode, Spaßmusik die dieses "egal, hauptsache Spaaaaß!!" aktiv fördert. Musik, die für mich nicht mehr als "schwarz" durchgeht, weil sie schon viel zu viel Ähnlichkeit mit DJ Bobo & Co. hat als mit EBM, Wave, Gothic, Industrial.

Glücklicherweise gibt es einen Haufen Parties, die die verschiedenen Strömungen "schwarzer" Musik anders begegnen und die anderen Teile jener Szene bedienen.
Nein, nicht nur rein jene die die "alten Zeiten" feiern.
Eher jene, die Altes und Modernes miteinander verbindet, und den Begriffen "EBM, Wave, Gothic, Industrial" auch echtes Leben einhauchen.
Und dort ist - o Wunder! - der Umgangston miteinander tatsächlich wieder (oder immer noch?) so, wie es Eisbär beschrieb: Höflich und rücksichtsvoll.
Und so entdecke ich immer wieder neue (!) Musik auf der Catastrophes-Party, der Entartet, der Schwarzlicht (ok, da zumindest vorne eher weniger), im Marxx der Returnparty.
Auch auf der Stahlklang, aber da kann ich es nicht so recht beurteilen, weil ich Industrial nicht so gut kenne. Es fällt mir schwer, da neu von alt zu unterscheiden. Neu ist die Musik jedenfalls großteils für mich.
Das ist von den in HH stattfindenden "schwarzen" Parties schätzungsweise ungefähr die Hälfte.
Also bin ich wohl so ein halber Szenegänger, wa? :lach:

Zu den Cybergoths, die ja gerne so belächelt werden, möchte ich noch ne Kleinigkeit loswerden.
Vor kurzem sag ich auf Galileo dazu einen Beitrag, der sehr, sehr gut gemacht war. Denn der ging der Sache mal auf den Grund (natürlich nicht tiefschürfend, aber immerhin ...), was es damit so auf sich hat.
Da habe ich viel draus gelernt!
Ich muss zugeben, dass dies eine Szene ist, der ich künftig mit mehr Toleranz begegnen werde. Denn bei genauerem Hinsehen hat sie auch ihre cultural codes, die sich von jenen der "schwarzen" gar nicht mal so groß unterscheiden. Immerhin geben sich die Menschen sehr viel Mühe, um sich in einen Cyber für eine Party zu verwandeln, sind überwiegend ebenfalls sehr friedlich und grenzen sich gegenüber der restlichen Gesellschaft aufgrund ihrer Optik ebenfalls so ab, wie es die Goths ehemals taten. Sie haben ihre eigenen Kodes die nicht jeder mittragen mag. Aber nun nur zu sagen "ieehh, die sind hässlich angezogen, was soll das" wäre reichlich oberflächlich gedacht.

In jenem Beitrag brachte es eine junge Frau -Cybergoth- auf den Punkt: "Ich weiß, dass die schwarze Szene uns nicht besonders mag und es ihr auch schwer fällt, uns zu verstehen. Aber wir sind nun einmal da, und wir prägen sie auch aktiv mit, weil wir ebenso aktiv an den Parties teilnehmen wie sie. Also müssen sie mit uns leben - ob sie wollen oder nicht."
Da hat sie recht. Sie sind bereits Teil der "schwarzen Szene". Einer der zwar wiederum gänzlich anders ist als jener den wir hier so kennen, aber dennoch ist sie ein Teil von ihr.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 17:03 
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messie hat geschrieben:
(...) sind überwiegend ebenfalls sehr friedlich (...)

Das hab ich schon einige Male ganz anders erlebt. Z. B. auf der einen Party auf der Stubnitz waren die bunten Leuchtmännchen das rücksichtsloseste Volk, das mir je untergekommen ist.

Ja, man muß mit ihnen leben. Und solange sie nen Bogen um mich machen, ist das auch okay.



Ich sehe das mit der "Szene" alles nicht so ernst. Ich bewege mich auch in anderen Kreisen, in denen ich mich ebenfalls wohlfühle. Ich sehe mich nicht als jemand, der da irgendwas mitprägt. Manche kennen mich, da ich auf einigen Parties fast jedes Mal erscheine. Aber ich glaube, es würde keinem auffallen, wenn ich das fortan nicht mehr täte. Die "Szene" hätte mich dann weniger, jemand anderen dafür vielleicht mehr, aber sie hätte kein anderes Gesicht. Durch die Partybesuche bin ich vielleicht Nutznießer, aber ich sehe mich definitiv nicht als jemanden, der diese Szene mitgestaltet. Dafür bringe ich auch zu wenig Engagement mit.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 18:24 
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Kaffeebohne - natürlich prägst du die Szene mit. Du wirbst für eine "schwarze" Party, hältst sie mit am Leben und beziehst ja auch klar Stellung öffentlich, was dir mehr zusagt und was weniger.
Das beeinflusst andere Menschen der "Szene". In Sachen Werbung für die Schwarzlicht ist das ja auch höchst gewünscht :ja:

Man sollte nicht die "Szene" ausschließlich mit den Usern des Schwarzen Hamburg verwechseln. Sie ist wesentlich größer. Wie viele Stammgäste hat die Schwarzlicht? Doch eine Menge! Und kaum jemand aus jenem Forum ;) - und all sie, alleine dadurch dass sie regelmäßig kommen und nicht nur sporadisch, werden dadurch zu einem Teil der schwarzen "Szene".
Das mag nicht jedem schmecken. Aber wenn du von außen draufsiehst, wird es sofort klar: Wenn jemand das erste Mal dort hingeht, ganz frisch die "schwarzen" Parties für sich entdeckt hat, der wird das große Hallo der Leute dort wahrnehmen, wie sie sich alle gegenseitig kennen und herzen, wie sie sich rege unterhalten, wie sie auf Stücke die allgemein bekannt sind die Tanzflächen bevölkern. Da nicht von einer "Szene" zu reden wäre doch ziemlich blauäugig. ;)

Man muss ja nicht die negativen Begleiterscheinungen einer "Szene" mitmachen, wenn man durch seine Aktionen zu einem Teil von ihr geworden ist. Eben nicht Abgrenzung nach außen betreiben, und eben nicht raushängen lassen dass man ja sooo schwarz wäre. Letzteres wäre ja auch in unserem Fall gelogen. ;)

Ach, und was die Cybergoths angeht: Da habe ich mittlerweile solche und solche erlebt.
Die auf der Ghostship fand ich auch furchtbar.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 19:30 
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@ €isbär: Menno, die Generation und die Gesellschaft hat sich verändert. Damit ist doch letztlich auch schon alles gesagt.
Der höflichen Umgang mit-/untereinander usw., das ist für mich persönlich menschlicher Umgang/Werte, die man jedem Menschen eigentlich entgegen bringen sollte. Sofern eine Gesellschaft halbwegs funktionieren sollte.
Das dies schon länger nicht mehr gegeben ist, merken wir ja wohl alle irgendwie.

@colourize: Kicher, sollen 50-60jährige noch auf Partys heutzutage rumlungern, damit „Die alte schwarze Szene“ noch funktioniert?

Ein „Szene“ ist letztlich eine Jugendbewegung zum aufbäumen gegen die Werte der Eltern und auch ein jugendlicher politischer Ausdruck. Eigentlich... Fakt!
Wobei das politische beim Techno damals nicht mehr dabei war und bis heute auch leider nichts mehr nachgekommen ist.
Mal abgesehen vom Hiphop, wobei sich da die Grenze zum Unmenschlichen auch verschwimmt.
Mit was könnten Kinder heute noch aufbegehren?
Also mein Kind hätte da arge Probleme bei mir. Ausser, es würde mich 24h mit Techno oder Klassik voll dröhnen, da dies dann an meinen Nerven zehren würde auf Dauer. Aber alles andere?
Hihii, lach mich wech...

Was jetzt „Die schwarze Szene“ betrifft bin ich persönlich es Leid.
Immer wieder kommt dieses Thema hoch... Wieso?
Weil ihr selber älter werdet und damit selber merkt das die andere jüngere Generation am prägen/im Anmarsch dieser Szene ist?
Ich habe mal geglaubt, dass diese Szene tot wäre und hatte mich ganz schön getäuscht gehabt.
Musste lernen, dass die Fetisch/BDSM-Szene usw. voll in diese Szene integriert ist und die Popmusik der 80er in dieser neuen schwarzen Szene hochgehalten wurde.
Was mich heutzutage wieder hat „schwarz“ werden lassen bzw. wieso ich immer noch sau gerne „schwarz“ bin?
Ich habe schon als 13-14jährige sau gerne schwarze Klamotten getragen. Bin in eine Rock-/Progressivrockdisco gekommen und fand es dort toll.
Dort war die Umgangsform schon ganz anders als in einer Normalo-Disco.
Danach war der Schritt zum Punk, Wave usw. also „heutigem Schwarz“ oder sehr viel besser gesagt, zur Indie-Musik nicht schwer/bedeutungsvoll gewesen ;-). Ich sage bewusst Indie-Musik, da dies ein sehr breites Spektrum an Musik war/ist.
Die Leute, die sich in diesen Szenen rum trieben waren für mich persönlich kompatibel. Kaum einer war oberflächlich... Selbst der Fixer von nebenan nicht.
Das gefiel mehr gut und passte mit meiner Einstellung zusammen. Es wurde keiner verachtet, seiner Kleidung oder seiner musikalischen Unkenntnis wegen. Erst Recht nicht seiner Arbeit oder seiner Gesundheit. Alle waren gleich.
Alle zogen an dem Strang Namens „Anderssein“ als die „Normalos“/Eltern.
Danach habe ich es mal probiert in Hamburg ein „Normalo“ zu sein ;-). Ging aber nicht, ist kläglich gescheitert, hihiii...
„Schwarz“ war und ist mein Leben und davon werde ich nicht abgehen. Egal welche Farbe meine Kleidung hatte/hat, meine innere Haltung wird immer die gleiche sein und bleiben.
Ich habe als Teenie begriffen und später mal leider vergessen, dass nicht Kleidung Menschen macht, sondern nur Leute.

Hihii und noch ein gutes Beispiel welches ich persönlich erlebt habe, der heutigen Generation „Schwarz“:
„Wie? Du hörst auch andere Musik als Elektro? Dann bist Du kein "Schwarzer.“
Tja, was soll ich darauf antworten, ausser nur mit Kopfschütteln und innerlichem Ablachen und mit dem Gedanken:
Werdet ihr erstmal alle Erwachsen, kicher... Und dann könnten wir uns gerne noch einmal unterhalten...

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Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. "F. Nietzsche"
Der Mensch braucht 2 Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen. "E. Hemingway"
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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 20:38 
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Zitat:
Ein „Szene“ ist letztlich eine Jugendbewegung zum aufbäumen gegen die Werte der Eltern und auch ein jugendlicher politischer Ausdruck. Eigentlich... Fakt!


Das gilt insbesondere für die schwarze "Szene". Es ist eine Abkehr von dem, was die Eltern leben und ein sich zuwenden der vermeintlich "düsteren" Seite. Auch: Ablehnung optisch gegenüber den anderen.
Genau deswegen kann ich den Cybergoths von heute auch immer weniger Abscheu entgegenbringen - weil sie nämlich genau das tun: Sie geben sich rein optisch viel Mühe, bemühen sich um Individualität, provozieren, ohne nun wirklich auf alles und jeden aggressiv zu sein (was mich z.B. an den Oi-Punks so stört mit ihrer Körpersprache).

Hab übrigens den Beitrag auf youtube gefunden: Szenescout Cybergoth

Natürlich passt in jenem Beitrag nicht alles. Dennoch ist es ein guter Querschnitt der recht gut erklärt, wie sich Cybergoths selbst sehen und wo sie sich positionieren. Ich fand den sehr interessant!

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 21:35 
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Zuletzt geändert von EngelinSchwarz am Do 6. Aug 2009, 21:51, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum seid Ihr (noch) in der Szene?
BeitragVerfasst: Do 6. Aug 2009, 21:37 
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messie hat geschrieben:
Das gilt insbesondere für die schwarze "Szene". Es ist eine Abkehr von dem, was die Eltern leben und ein sich zuwenden der vermeintlich "düsteren" Seite. Auch: Ablehnung optisch gegenüber den anderen.

Hab ich doch gesagt ;-).
messie hat geschrieben:
deswegen kann ich den Cybergoths von heute auch immer weniger Abscheu entgegenbringen - weil sie nämlich genau das tun: Sie geben sich rein optisch viel Mühe, bemühen sich um Individualität, provozieren, ohne nun wirklich auf alles und jeden aggressiv zu sein (was mich z.B. an den Oi-Punks so stört mit ihrer Körpersprache).

Lass die Oi-Punks oder überhaupt Punks da jetzt mal raus. Punks sind auch Menschen und ich habe nur liebe Punks kennen gelernt :-).
messie hat geschrieben:
Hab übrigens den Beitrag auf youtube gefunden: Szenescout Cybergoth

Dankööö! Hatte im Vorfeld schon über den Bericht gelesen gehabt. War aber an dem Tag "leider" mit einem echten "schwarzen Schnuckelchen" verabredet gewesen :-) und konnte dadurch den Bericht nicht sehen. Jetzt abba :-).
messie hat geschrieben:
Natürlich passt in jenem Beitrag nicht alles. Dennoch ist es ein guter Querschnitt der recht gut erklärt, wie sich Cybergoths selbst sehen und wo sie sich positionieren. Ich fand den sehr interessant!

Es ist halt ein Querschnitt. Eine andere Generation von "schwarz" und damit solltet ihr euch abfinden. Auch wenn es euch schwer fällt. Ich muss mich auch abfinden ;-).

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Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. "F. Nietzsche"
Der Mensch braucht 2 Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen. "E. Hemingway"
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Manche Menschen haben einen Kopf, damit die Haare eine Heimat haben."Zitat einer Kollegin"


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